Das Schaukelstuhl Center

Der Schaukelstuhl als Wiege der Philosophie


Ulrike war gestresst. Sie arbeitete an ihrer Abschlussarbeit für ihr Studium. Sie hatte ein kompliziertes Thema für die Philosophie zu bearbeiten und wollte doch sehr gut abschneiden, damit sie anschließend promovieren konnte. Solange sie auch über ihrem Schreibtisch an den Büchern brütete, es fiel ihr einfach nichts mehr ein. Der zündende Gedanke, auf den sie so sehr gehofft hatte, wollte einfach nicht kommen. Sie versuchte es mit allem möglichen, mit Spazierengehen, Fernsehen, Lesen…. nichts half ihr wirklich weiter. Sie war schon ganz verzweifelt, weil der Abgabetag immer näher rückte und sie noch nicht einmal ein ordentliches Konzept erarbeitet hatte, wie sie ihr Thema angehen wollte. Da klingelte das Telefon. Ihr Großvater war am anderen Ende der Leitung. Opa wollte sie zu sich nachhause einladen. Eigentlich hatte sie gar keine Zeit dafür, aber sie fuhr dennoch zu ihm. Sie wusste im Moment sowieso nicht, was sie schreiben sollte, also tat ihr die Ablenkung ganz gut. Ihr Opa empfing sie in seinem Wohnzimmer bei Tee und Kuchen. Hübsch war er eingerichtet. Ihr Opa wusste sehr viel über die Philosophie und sein Wohnzimmer steckte voller Bücher. Er erkundigte sich nach dem Stand ihrer Magisterarbeit, als sie anfing zu weinen und ihm von ihrer Denkblockade berichtete. Opa nahm sie bei der Hand und führte sie nach oben in seine alte Dachkammer. Hier hatte er noch mehr Bücher. Sie war von dem Anblick überwältigt. Er hatte eine riesige Sammlung antiquarischer Ausgaben, eine ganze Reihe davon zu dem Thema, an dem sie gerade arbeitete. Wieso hatte Opa ihr nie etwas davon erzählt? Opa forderte sie auf, in dem bequemen Schaukelstuhl Platz zu nehmen. Sie setzte sich und fühlte sich sofort behaglich. Dann legte er ihre eine weiche Decke über und schaukelte den Stuhl ein wenig an. Anschließend gab er ihr noch ein Buch, das er heraussuchte, stellte ihr Tee und Gebäck hin und verließ den Raum. Er meinte bei Hinausgehen noch, hierin würde sie alles finden, was sie benötigte. Ulrike saß in dem Schaukelstuhl und vertiefte sich in Opas Buch. Wieso hatte sie das Buch vorher noch nicht gefunden? Sie schaukelte sanft hin und her, plötzlich schlief sie ein. Sie träumte von ihrer Arbeit, sah sich im Geiste schreiben und es floss nur so aus ihr heraus. Sanft bewegte sich der Schaukelstuhl mit ihr. Als sie erwachte, fühlte sie sich voller Energie und hatte plötzlich eine zündende Idee für ihre Arbeit. Sie lief ihrem Opa entgegen, fiel ihm um den Hals und wusste plötzlich, was zu tun war. Opa lächelte und erklärte ihr, dass er nur mit seinem Schaukelstuhl damals promovieren konnte über die politischen Ansätze Platons Philosophie. Sie stürmte nachhause, setzte sich an ihren Schreibtisch und schrieb die ganze Nacht durch. Wann immer sie eine Pause brauchte, besuchte sie Opa und setzte sich in seinen Schaukelstuhl. Ihre Magisterarbeit bestand sie mit Bravour und mittlerweile schreibt sie bereits an ihrer Doktorarbeit. Ihr Opa ist sehr stolz auf sie...


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